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Philipp Kremer
Soft People
27. April – 25. Juni 2017

Eröffnung: Donnerstag, 27.04.2017, 19 Uhr
Begrüßung: Holger Graab, Vorstandsvorsitzender und
Einführung: Noor Mertens

In Philipp Kremers Gemälden sind Inhalt und Form konfliktträchtig, ebenso die Interaktion zwischen beiden. Seine formale Herangehensweise scheint oft dem Motiv zu widersprechen, zum Beispiel wenn er Farben per Zufall wählt um eine utopische Gemeinschaft darzustellen, oder wenn er eine Orgie so malt als sei das Bild abstrakt und monochrom. Während fast alle seine Motive, seien es Mädchen und Pferde, Kommunen, Weinen oder Sex, soziale Situationen darstellen in denen als solche Machtverhältnisse immer eine Rolle spielen, werden diese in der neuesten Serie Soft People in den Vordergrund gestellt.

Nachdem Gatherings Gruppen von Menschen in harmonievoller Ausübung sexueller Aktivitäten zeigte, werden in Soft People physische Gewalt und Dominanz thematisiert. Zwei, allenfalls drei oder vier Körper interagieren in ungleichen Machtverhältnissen, in einem weitgehend undefinierten Kontext. Ausgeführt in hellen Farben mit leichten Gesten auf weißer Leinwand, erscheint der Stil spielerisch, als bestehe er fast darauf, den freudigen Aspekt der Malerei hervorzuheben.

Die Provokation dieser Bilder liegt in der Frage, warum Gewalt und Leichtigkeit zusammengebracht worden sind. Wenn die Entscheidung, etwas darzustellen bedeutet dass man dieser Sache eine gewisse positive Bedeutung gibt, und etwas zu malen bedeutet, dass man gefühlsmäßig darauf eingeht, wie ist es dann möglich, etwas schmerzhaftes zu darzustellen, ohne irgendwo in dem Prozess Spaß zu haben? Daher müssen die Bilder mit Freude gemalt werden, und Künstler und Betrachter finden sich in der widernatürlichen Situation, das Freudige und das Schmerzliche gleichzeitig konfrontieren zu müssen.

Philipp Kremer (*1981) lebt und arbeitet in Berlin. Er studierte an der Universität der Künste Berlin bei Professor Georg Baselitz (2000-2004) und an der Rijksakademie in Amsterdam (2011-2012). Aktuelle Einzelausstellungen hatte er unter anderen in der Galerie Nicodim, Los Angeles und Bukarest; Kazachenko’s Apartment, Oslo; Apice for Artists, Amsterdam und Galerie Lena Brüning, Berlin. In 2013 erhielt er die Königlichen Preis für Freie Malerei. In 2014 erhielt er das Stipendium für etablierte Künstler des Mondriaan Fonds.

Wir bedanken uns sehr für die Förderung der Ausstellung beim Niedersächsischen Ministerium für Wissenschaft und Kultur.

Öffnungszeiten
Mittwoch-Sonntag
14:00-17:00 Uhr
Eintritt frei

Kalender

Künstlergespräch mit Philipp Kremer
Donnerstag, 4. Mai 2017, 19:00 Uhr

Naheliegende Berufe
Zu den Inhalten der Ausstellung werden aus thematisch naheliegenden Berufsfeldern Experten für Vorträge über ihre Arbeit eingeladen, die einen ganz anderen Blick auf die gezeigten Arbeiten ermöglichen. Für die kommende Ausstellung wird eine Domina eingeladen, die Einblicke in ihre Arbeit und das komplexe Thema ‚BDSM’ geben wird. Der Termin wird separat bekannt gegeben.

Führungen

Kunstverein am Sonntagjeden ersten Sonntag im Monat um 15:30 Uhr 7. Mai 2017
4. Juni 2017

Kunstverein am Abendjeden dritten Donnerstag im Monat um 18:00 Uhr 18. Mai 2017
15. Juni 2017

Kunst und GeschichtenFührungen für Menschen mit Lebenserfahrung 23. Mai 2017
1. Juni 2017

Workshops

„Gruppenbildung“
Performativer Kurzworkshop zur Gruppenbildung und der Bildung eines Gemeinschaftsgefühls.
Ein Termin, 90 Minuten
Für Kinder und Jugendliche ab 12 Jahren.

Ein Workshop, der die Jugendlichen mit Fragen fordert – mal belanglos, mal sehr privat. Kann allein durch die Zugehörigkeit zu einer Antwort ein Gefühl von „wir“ entstehen? Die Schüler finden sich dann und dadurch entsprechend zu Gruppen zusammen – ist diese Gruppe bereits „wir“, ein Gefühl von „zusammen“ oder „abgrenzen gegenüber >den anderen<“ oder müssen weitere Faktoren erfüllt sein?
Es wird öffentlich diskutiert, auch über die Frage, ob und warum manche (nicht) Fragen ehrlich beantwortet werden können.

„Das versteckte Böse“ Ein Workshop zur Malerei.
Drei Termine je 90 Minuten
Für Jugendliche ab 14 Jahren.

Die Malerei Philipp Kremers ist oftmals durchsetzt von einer gewissen Bosheit oder einem Gefühl des Unwohlseins, was hinter den oftmals flachen, unschuldig wirkenden und bunten Figuren lauert. Der Workshop will untersuchen, wie sich das „Böse“ in seinen Arbeiten ausdrückt und zeigt und im Anschluss praktisch eigene Fragestellungen und Arbeiten entwickeln. Der Moment, in dem ein Bild durch Farbe oder Struktur von gut nach böse „kippt“ ist hierbei das Thema und Ziel.

„Das versteckte Böse – die andere Seite der Malerei“
Ein Workshop zur Körpermalerei.
Zwei Termine je 90 Minuten
Für Jugendliche ab 14 Jahren.

Thematisch an den Workshop zur Malerei angelehnt und auch mit diesem kombinierbar, wird hier eine grundlegend andere Oberfläche zur Malerei genutzt – das menschliche Gesicht. Ob in Gruppen oder allein werden mit kosmetischen Produkten und Schminkfarben „böse“ Momente nach außen gekehrt, die Schüler schlüpfen in andere, teils dunkle Persönlichkeiten.

Falls beide Workshops kombiniert werden, bieten sich durch die Kosmetik auch „Modelle“, die gemalt werden können.

English

Philipp Kremer’s paintings are conflict-laden – not only in the subject matter, but also on a formal level, and in the interplay between the two. In his formal approach he often seems to oppose the narrative element, like choosing colors randomly when showing a utopian community, or approaching the subject of an orgy as if it was a monochrome abstract painting. While all his subjects, be it girls with horses, communes, crying or sex, are social situations, and as such, issues of power are an important element, in his most recent series Soft People they become the main focus.

After Gatherings, where a group of people is shown harmoniously engaging in sexual acts, Soft People is portraying humans in scenes of physical violence and domination. Two, at most three or four people or bodies interact in oppressive power relations, in a context that remains mostly unspecific. The paintings are executed with bright colors and light gestures on white canvas, which makes them appear playful and almost seems to insist on highlighting the joyful aspect of painting.

The provocation lies in the question of why to bring lightness and violence together: If choosing to depict something means giving it a certain affirmative importance, and painting something means engaging with it emotionally, how is it possible to paint something hurtful, without finding pleasure somewhere in the process? Hence, the paintings need to be executed with joy, and artist and viewer find themselves in the perverted situation of having to deal with the joyful and the hurtful at the same time.

Philipp Kremer (*1981) lives and works in Berlin. He studied at the Universität der Künste in Berlin with Georg Baselitz (2000-2004) and was a resident at the Rijksakademie in Amsterdam (2011-2012). Recent solo exhibitions include Nicodim Gallery, Los Angeles and Bucharest; Kazachenko’s Apartment, Oslo; Apice for Artists, Amsterdam and Galerie Lena Brüning, Berlin. In 2013 he won the Royal Dutch Painting Award. In 2014 he was granted the support by the Mondriaan Fund (Stipendium Established Artist).

Opening hours
Wednesday – Sunday
2pm – 5pm
Free entry

Upcoming events

Artist talk with Philipp Kremer
Thursday May 4, 2017, 7pm

Related professions
Linked to each exhibition, experts will be invited to give lectures on their profession, which will allow for a different view of the work on show. For Philipp Kremer’s Soft People, a domina is invited to give an insight into her work and the complex subject 'BDSM'. The date will be announced separately.

Guided tours

Kunstverein on SundayEvery first Sunday of the month at 3.30pm
May 7, 2017
June 4, 2017

Kunstverein in the eveningEvery third Thursday of the month at 6pm
May 18, 2017
June 15, 2017

Art and historyGuided tours for world-wise people
May 23, 2017
June 1, 2017